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Profitiert die Schweiz von steigenden Holzpreisen im Ausland?

News aus dem Ausland berichten von rasant steigenden Preisen für Holz, Stahl und Dämmmaterial – Was aber bedeutet das für die Schweizer Holzwirtschaft? Ein Kommentar von Lukas Friedli

Steigend oder fallend? – Auch WaldSchweiz Präsident, Daniel Fässler, ist stets besorgt um die Entwicklung der Holzpreise – wählen Sie das Foto an, um das Video zu starten; Produktion WaldSchweiz; Symbolbild steigende Holzpreise: Tim Mossholder von Pexels

«Gerade die Preise für Konstruktionsvollholz seien im Vergleich zum Vorjahresmonat um ganze 83 Prozent gestiegen. Bei Dachlatten sind es 45,7 Prozent und bei Bauholz rund 38,5 Prozent», schreibt beispielsweise landundforst.de

Lukas Friedli: «Für den Schweizer Waldeigentümer sind die internationalen Preissteigerungen für den Rohstoff Holz grundsätzlich eine erfreuliche Entwicklung. Es ist zu erwarten, dass 2021 wieder bessere Preise für Rundholz erzielt werden, als dies im Vorjahr bei historisch tiefen Holzerlösen der Fall war. Da die Schweizer Holzindustrie aber weniger auf die amerikanischen und chinesischen Märkte ausgerichtet ist, welche grösstenteils für die Preissprünge verantwortlich sind, sind die Preise hierzulande weniger stark gestiegen. Dadurch sind Schweizer Produkte im internationalen Vergleich wettbewerbsfähiger geworden, da sich die Preisniveaus angeglichen haben.»

Was bedeutet das für die Bauherren?

«Für Bauherren in der Schweiz, die sich für inländische Produkte entscheiden sind deshalb die Effekte von höheren Holzpreisen und langen Lieferfristen teilweise weniger ausgeprägt als dies in Deutschland der Fall ist, wobei die Verarbeitungskapazität der Schweizer Holzindustrie ausgeschöpft ist.»

Bereitet der Holzpreis immer noch Sorgen?

«Seit Jahren ist die Entwicklung des Preises für Rundholz im Wald rückläufig und nicht mehr kostendeckend. 2020 wurden die teuerungsbereinigt tiefsten durchschnittlichen Holzpreise seit Aufzeichnungsbeginn des Testbetriebsnetzes TBN bezahlt (61.-/m3). Der sinkende Ertrag führt zu einer Unternutzung des nachhaltigen Holznutzungspotentials (gemäss Waldpolitik des Bundes). Dem stehen eine hohe Nachfrage und ein entsprechender markanter Preisanstieg für Holzprodukte gegenüber. Die gestiegenen Marktpreise schlagen sich im Schweizer Wald aber noch nicht nieder!»

Forderungen geltend machen

«Der Wald hat das nötige Potential für die zusätzliche nachgefragte Menge. Die Waldeigentümer sind im Sinne der Stärkung der Wertschöpfungskette bereit, diese Mengen bereitzustellen. Aber nicht bedingungslos. Die Preise für Rundholz müssen in der Schweiz über den Durchschnittspreis aller Sortimente gesehen um mindestens einen Drittel steigen, damit ein Holzschlag sich wirtschaftlich wieder rechnen lässt. Insbesondere bei den mittleren und minderen Sortimenten (C-Qualität) sowie bei frühzeitig geerntetem Schadholz braucht es eine überdurchschnittliche und damit massive Steigerung.»